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Von Deuschland nach Gambia

  • Reisende: Claudia Flügel und Michael Oechsner
  • Reisezeit: 10 Wochen, Januar - März 2004
  • Reiseroute: Deutschland, Frankreich, Marokko, Westsahara, Mauretanien, Senegal, Gambia
  • Fahrzeuge: Suzuki DR 650 RSE, KTM LC 4 Adventure
  • Gefahrene Strecke: 8.500 km
  • Höhepunkt der Tour: einwöchige Pirogentour auf dem Gambiariver, Tierwelt
  • Tiefpunkt der Tour: zwei Tage Nerv an der Grenze Mauretanien/Senegal
RalleyautoDie tausendvierhundert Kilometer durch Deutschland und Frankreich haben wir und unsere Motorräder trotz Regen und Sturm gut überstanden. So dass wir am 29.12.2003 mit der Fähre von Sete nach Tanger starteten. Der Wind auf der Autobahn ließ es schon vermuten: die 40 stündige Überfahrt wurde ganz schön heftig. Micha hat gut gegessen, gelesen und geschlafen - und Claudia hat von allem das Gegenteil ....... durchweg „Fische gefüttert“. In Marokko angekommen, hatten wir uns 40 km südlich von Tanger niedergelassen (akklimatisieren und Magen erholen, wir hatten ca. 20 Grad). Den Silvesterabend verbrachten wir mit Leuten von der Fähre und für Micha gab es lecker frischen Fisch. Über Rabat und Fès -also quer durch den Atlas- ging es nach Er-Rachidia, wo wir auf die Rallye Paria Dakar trafen. Die Rallye war einerseits beeindruckend anzusehen aber auch erschreckend: da rollt eine High-Tech-Lawine wie von einem anderen Stern durchs Land und lässt alles im staub versinken ohne einen Nutzen für die Bevölkerung. Einer der schönsten Begegnungen war sicher in dem kleinen Bergdorf Tamtatouchté. Wir verbrachten den Abend mit fünf jungen Berbern aus dem Dorf, bei Essen, Tee, Kniffelspielen und Geschichten mit Händen und Füßen erzählen. Marokko lässt sich leicht bereisen, fast auf europäischen Standart: es gibt alles, was man zum Leben braucht! Nach 1400km langweiliger Straße durch die Westsahara, überquerten wir die Grenze nach Mauretanien. Die 70km vom letzten marokkanischen Grenzposten bis in die Stadt Nouadhibou hatten es schon mächtig in sich: die Grenze ist vermint und nur über mehr oder weniger gekennzeichnete Pisten zu passieren. Mitten in der „Pampa“ stand eine Schild „Formalitäten rechts“ und nach weiteren 10 km (!!) fanden wir kleine Zelte mit Steinen befestigt, in denen die Beamten unter unvorstellbaren Bedingungen leben und arbeiten. Die Stadt erwies sich als bewohnte Müllhalde, und schon während der Anfahrt versuchten bettelnde Kinder auf unsere fahrenden Motorräder zu klettern ...... in Nouadhibou wurde uns entgültig klar, dass es in diesem Jahr härter wird. Die Straßen waren gesäumt von Müll und toten Tieren......
Ebbstrand PisteFür den fahrerisch schwierigsten Teil unserer Reise, 500km Piste bis Nouakchott, schlossen wir uns einer Gruppe Franzosen an, die mit 2 Geländewagen, 2 Renault Transporten (Master, Baujahr 80) und einem Citroen AX durch die Wüste nach Mali wollten. Nachdem wir am ersten Tag hinter ihnen her fuhren, übernahm Micha schon am zweiten Tag die Führung der ganzen Truppe! Er suchte die besten Passagen mit dem wenigsten Sand, aber trotzdem steckten die Autos mehrmals bis über die Achsen fest. Wir schafften max. 80km am Tag. Wer denk, dass diese Piste ja nur am Rand der Sahara entlang führt, der irrt sich gewaltig: die Sahara geht bis zum Atlantik und zwar bis zum letzten Millimeter. Fazit: eine Saharadurchquerung ist auch heute noch eine unbeschreibliche Schinderei für Mensch und Material (Anmerkung: mittlerweile gibt es eine Asphaltstrasse). Zu Mischas Geburtstag versuchten wir in den Senegal einzureisen. Die Landschaft und die Menschen hatten sich auf den letzten 300km komplett verändert - alles wurde grüner. Waren gestern noch alle vermummt, so stehen heute nackte Frauen am Senegalfluß und baden. Aber die Einreise sollte sich noch etwas hinziehen! Nach Nerv und Diskussion mit Schleußern und Beamten und ohne mit der Fähre zu ersaufen, waren wir froh auf senegalesischen Boden zu sein; doch man verwehrte Claudias Motorrad die Einreise, es ist älter als 5 Jahre! Es war nichts zu machen. Scheiße! Also wieder zurück auf die Fähre (wo 20 Männer sich an die Räder von riesigen Schrott Lkws klammern um diese zu bremsen, und wo 20 Leute gleichzeitig auf einen einreden) und wieder Einreisen nach Mauretanien. Nach mehreren versuchen fanden wir durch unsere „Schleußer“ eine Bleibe für die Nacht. Sollte nach 6000km also knapp 500km vor dem Ziel unserer reise hier Schluss sein??????
Kinder in PirogeAm nächsten Morgen: Verhandlung mit Fälschern und Schleußern, man bietet uns ein Carnet de Passage für nur 500 Euro an, nein danke. Wir versuchen es mit einem Dokument der Polizei, das Claudias Fahrzeugpapiere verloren sind (in dem das Baujahr des Motorrades geändert worde). Mit grabbeln im Bauch 90km weiter zum nächsten Grenzposten. Schmiergeld hier, Schmiergeld da - korrupte Schweine, und nach 1,5 Stunden Aussitzen und Diskutieren und natürlich Schmiergeld waren wir im Senegal. Wir waren innerlich so wütend, aber 100km hinter der Grenze fanden wir gleich das "Paradies", welches Zebra Bar heißt. Ein Campingplatz, der von Schweizern geführt wird. Da täglich neue Reisende ankamen, mit haarsträubenden „Grenzgeschichten“, merkten wir, dass wir uns gar nicht sooo schlecht geschlagen hatten. Mit Kanutouren bei 30°C zwischen Pelikanen und Tausenden anderen Vögeln, im Delta des Senegals, ließen wir es uns gut gehen. Nach einer Woche verließen wir schweren Herzens die Zebra Bar und machten uns auf den Weg zu einer Mission, die von einem deutschen Verein gefördert wird. Trotz GPS-Koordinaten war es schwierig das winzige Dorf überhaupt zu finden. Bei unserer Ankunft war der Pater gerade außer Haus, aber „zum Glück“ kümmerten sich 30 Kinder um uns, das hieß: sie bildeten einen großen Haufen um und über uns! Und beinahe hätten wir ein kleines schwarzes Baby mitgebracht ... weil: wir haben ja keins und in Deutschland wäre es doch besser aufgehoben ...... auch mit Händen und Füssen konnten wir sie nicht davon überzeugen, das in Deutschland nicht immer alles so einfach ist. Die Nacht verbrachten wir im offenen Klassenzimmer mit sehr vielen Mücken. Am nächsten Morgen waren wir Gäste beim Sonntagsgottesdienst, die dreckverschmierten Kinder vom Vortag waren saubergeschruppt, frisiert und in die Sonntagskleider gesteckt. Die Männer hatten ihre europäischen Fußballtrikots übergezogen und die Frauen glänzten in bunten Farben. Eine ganze Kirche voll schicker Menschen (ca. 300), die sangen und klatschten. Danach setzte sich der Pater zu Micha aufs Motorrad und wir schauten uns die im Bau befindlichen Brunnen an (die mit Hilfe der dt. Hilfsorganisation geschaffen wurden). Weiter südlich im Senegal machten wir einen Ausflug in das Bandia Reservat. Das ist ein 3000ha großes Tierreservat mit Giraffen, Rhinos, Antilopen, Büffeln usw. Am Ausgang sprach uns ein Deutscher an. Es war der Initiator dieses Parks. Christian Dehring ein dt. Forstwirt Mitte 50, der seid 15 Jahren sein Traum verwirklicht. Da sich ein Warzenschwein verletzt hatte, durften wir mit auf die Suche und bekamen so eine unvergessliche Extraführung mit dem Chef bis nach Sonnenuntergang. Wir sahen Giraffen am Wasserloch trinken und Schakale über den Weg huschen. Claudia hat das verletzte Schwein entdeckt, aber so schlimm war's nicht, dass wir es erschießen mussten. Gerne folgten wir der Einladung von Christian in seiner Strandvilla zu übernachten. Am nächsten Tag revanchierten wir uns für Kost (Antilopensteak etc.) und Logis, in dem wir ihm bei der Baumpflege tatkräftig unterstützten.
Baobaba vor dem SonnenuntergangWeiter fuhren wir nach Osten hinein ins Land und verabschiedeten uns vom angenehmen Küstenklima. Es wurde von Kilometer zu Kilometer heißer. Ab 12 Uhr waren es 35-40°C im Schatten und so blieb es dann auch bis kurz nach Sonnenuntergang. Auch unser Trinkwasser und unser Proviant waren nicht kälter! Im äußersten Südosten des Senegals befindet sich der größte Nationalpark Westafrikas (10000qkm = halb so groß wie Sachsen), der Niokolo Koba. Mit dem Motorrad ist die Einreise verboten, also waren wir auf andere angewiesen. Wir verbrachten 2 herrliche Tage in einem Camp, direkt am Gambia River und beobachteten Krokodile, Flusspferde, unzählige Vogelarten und kämpften schon vor dem Frühstück mit den Affen um die Zutaten zu unseren Müslipfannkuchen (Mistviecher - 2 starteten Scheinangriffe und der dritte hat es dann doch geschafft). Aus Langeweile in der Siesta baute Micha aus rostigem Draht und Schnur eine Angel, und 30min. später hatte Micha sein Abendessen!!! Drei herrliche Aquarienfische!!! Am Morgen des Abreisetages kamen doch noch 2 Hippos komplett aus dem Wasser - keine 200m entfernt fraßen sie am anderen Ufer. Nach dem Trauma der letzten Grenze, wagten wir nun erneut einen Grenzübertritt, wir wollten ja nach Gambia. Stressfrei und korrekt reisten wir im östlichsten Zipfel Gambias ein.
FischerDann ging es auf der „Straße“ am Südufer des Gambiariver (den wir nicht sahen) entlang - 350km ein Schlagloch am anderen, teilweise 30cm (!!!) tief. Nerv! (Thema Nerv - das Internet hier nervt auch durch seine Langsamkeit!) Nach 8000km hatten wir unser diesjähriges Ziel Camping Sukuta erreicht. Die dt. Betreiber sind seriös und professionell (zum Glück) also können wir die Motorräder hier stehen lassen und Flüge buchen. Der Platz ist Anlaufpunkt für Afrikareisende aus aller Welt, und auch wir trafen bekannte Gesichter, mit denen es viel zu erzählen gab. Wir kochten gemeinsam, 3kg Schrimps (für 5€) und mehrere Fische wurden schon mal an einem Abend vertilgt. Bei einem kleinen Ausflug mit einem Einbaum durch die Mangroven entstand die Idee über Nacht mit Fischern rauszufahren. Claudia wollte nicht schon wieder gleiches wie auf dem Mittelmeer erleben, und so ist Micha mit Remo (anderer dt.) gefahren. Bei Sonnenuntergang ging es mit einer 12m langen und 3m breiten Piroge auf den Atlantik. 10 Fischer, 3 Taschenlampen, 2 leere Mayonnaiseeimer, ein 260m langes Netz, ein Motor und null Navigation! (von Schwimmwesten etc. ganz zu schweigen, für die Nichtschwimmer zirpten zwei Grillen an Bord). Bis zum Sonnenaufgang fischten wir in stockdunkler Nacht, bei gutem Wellengang und 10km vor der Küste. Ein ziemlich hartes aber unvergessliches Erlebnis für Mischa.
Mama mit BabyMit Yvonne und Remo (zwei Potsdammer mit einem Nissan, die 2 Jahre den schwarzen Kontinent erkunden wollen) sind wir noch weiter südlich in die Casamance (wieder Senegal) gefahren. Auf einem herrlichen Campingplatz verbrachten wir eine Woche mit Baden im Meer und Vögel schauen: Pelikane, Reiher, Löffler, Affen und und und. Abends schauten wir uns den senegalesischen Karneval an, bisschen eigenartig die E-Gitarren zwischen den Bongos....Wieder zurück in Gambia gab es noch viel zu tun an den Motorrädern und die Flüge waren ja auch schon gebucht. Zwei Tage vor Abflug hieß es dann, der Flug sei überbucht, wir müssen noch eine Woche warten, ganz schön schlimm noch eine Woche Urlaub. Die zusätzliche Woche haben wir noch für ein kleines Abenteuer genutzt! Wir charterten uns eine kleine Piroge inkl. 2-Mann-Besatzung und waren 5 Tage auf dem Gambia Fluss unterwegs. Die ersten drei Tage waren Idylle pur, wir sahen Delphine, gingen baden und übernachteten auf kleinen unbewohnten Inselchen mit riesigen Baobabs. Claudia hat eine rotes Seepferdchen (20cm!! groß) von Fischern abgekauft, für 15cent, damit es kein Schlusselanhänger wird!! Wir haben es wieder ins Wasser gesetzt, wo es nach kurzer Zeit abgetaucht ist. Mischa und die Guides haben viel geangelt - leider nur Krabben! Beim Zwischenstopp in einem kleinen Dorf wurden wir von allen Kindern empfangen. Sie zeigten uns ihr Dorf und sehr eifrig ein leerstehendes Hotel, für das ein neuer Besitzer gesucht wurde. Obwohl wir weiß sind und damit sehr reich und das ganze Dorf sehr nett zu uns war, haben wir es dann doch nicht gekauft.
Piroge auf glattem WasserIn den nächsten zwei Tagen zeigte uns der Fluss, was in ihm steckte. So überraschte uns die Ebbe (die Gezeiten machen sich ca. 200km hinauf in den Fluss bemerkbar) und wir staken fünf Stunden im Schlamm fest, dann haben wir uns im Dunkeln noch ein Fischernetz in die Schraube geleiert. Am nächsten Morgen mussten wir bei nur einem Kilometer Sicht (durch den Nordostpassat = Sand in der Luft) und fast zwei Meter hohen Wellen den fünf Kilometer breiten Fluss queren. Micha hat alle Ausrüstung verzurrt und wir waren kurz davor die Schwimmwesten anzuziehen!!!!!! Dies war die einzige kritische Situation unserer gesamten Reise. Aber auch das haben wir gut überstanden! Auf dem Flughafen in Banjul ging es dann noch mal richtig afrikanisch zu. Die Computer gut verpackt, geht alles mit geschriebenen Listen und die nette Flughafenangestellte hält uns die kleinen Aufkleber mit den Platznummern entgegen, so dass wir uns zwei aussuchen durften. Da die modernen Rollbänder Arbeitsplätze vernichten, wurden sie auch nicht benutzt, stattdessen gibt es genug Kofferträger, die sich um dein restliches Kleingeld auch noch gerne kümmern... die Zollbeamten öffneten neugierig sämtliche Koffer und Taschen und spielten mit den Utensilien und Souveniren der Touristen. Nach 6 Stunden Flug landeten wir im regnerischen Amsterdam (am 08.03.04). Bei der Autovermietung wartete eine A-Klasse (gab nix anderes) nur darauf von uns zurück nach Deutschland gebracht zu werden. Als Mischa nach dem Weg zur Autobahn fragte, beugt sich der junge Mann ins Auto und gab Pößneck ins Navigationssystem ein. Also folgten wir den Anweisungen der netten Frau im Armaturenbrett! Wir kamen uns vor, als wären wir nicht mit einem Flugzeug sondern mit einer Zeitmaschine gereist..... und kamen in weiteren 7 Stunden bei Mischa zu Hause an.
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