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Die erste Reise mit der KTM

  • Reisende: Michael Oechsner und Linda Sörgel
  • Reisezeit: 10 Tage, Sommer 2000
  • Reiseroute: Deutschland, Frankreich, Spanien
  • Fahrzeuge: Suzuki Intruder 800, KTM LC 4 Adventure
  • Gefahrene Strecke: 4800km
  • Höhepunkt der Tour: Fahrt über den Montserrat
  • Tiefpunkt der Tour: zerbrochene Visakarte an einer französischen Mautsation
Start in PlauenAnfang August rollten wir, das heißt Linda und ihre 800er Suzuki Intruder und ich, auf meiner nagelneuen KTM Adventure, bei strömenden Regen auf der Autobahn Richtung Süden. Unser Ziel hieß Castello, eine Kleinstadt kurz vor Valencia an deren Uni Linda ein Jahr studieren möchte. Angefangen hat die ganze Sache eigentlich schon im Februar, auf einer Party erzählte Linda von ihren Plänen in Spanien und das sie gern ihre „Trude“ mitnehmen würde. Aber so eine Chopper ist mit ihrem 9 Liter Tank nicht unbedingt ein Fernreisemotorrad und die 2000 km ganz alleine machen auch nicht wirklich Spaß. Also bot ich mich als Reisebegleiter an und meine Adventure, die ich Anfang Mai bekommen sollte, wäre mit ihren 28 Liter Sprit sicher auch ein guter Tanklaster. Der Regen wurde mal mehr mal weniger; was immer konstant blieb, waren unsere Tankstopps. Immer nach 125 km spuckte die Trude zwei laute Fehlzündungen aus ihren dicken Auspuffrohren. Linda schaltete auf Reserve und steuerte die nächste Tankselle an. So wurde die Fahrerei nie langweilig, denn wenn nach 150 km noch keine Zapfsäule in Sicht war, wurde mit der Flasche vom Benzinkocher erst einmal bei der KTM gezapft. Am Abend passierten wir die deutsch-französische Grenze und fanden ein paar Kilometer weiter einen schönen Zeltplatz in Belfort. Am nächsten Tag durchquerten wir Frankreich. Das Wetter wurde besser und zu unseren Tankstopps gesellten sich nun noch die Stopps an den Mautstationen. Unspektakuläre französische Autobahn und doch irgendwie aufregend: meine erste große Motorradtour. Den Geruch Südfrankreichs in der Nase und hinter mir auf dem Gepäckträger ein dickes Knäuel aus Zelt, Schlafsack, Kochgeschirr und Zahnbürste: kurzum alles was man zum Leben braucht!
Ein tolles Gefühl - ein Gefühl, nach dem man süchtig werden kann!
Der nächste Abend, die nächste Grenze, nun waren wir in Spanien. Natürlich wollten wir diese Nacht am Meer verbringen und suchten wieder einen Campingplatz. In El Port de la Selva wurden wir fündig. Der Platz war nicht der Hit, mehr etwas für Wohnmobile, aber wir waren am Meer und genossen den Abend.
Das Kilometerschruppen war nun erst mal vorbei, in den kommenden Tagen wollten wir in aller Ruhe durch Katalonien touren und uns Stück für Stück Castello de la Plana nähern.
Gesagt getan. Der Costa Brava mit ihren Bettenburgen und ihrem ständigen Verkehrschaos drehten wir bald den Rücken zu und fuhren in die Berge. Im flachen Vorland blies uns der 37 Grad heiße Fahrtwind noch wie ein Föhn in den Helm, doch als wir uns dann in Serpentienen die Berge hinaufschraubten, wurden die Temperaturen mit 25 Grad bedeutend angenehmer. Für zwei Tage schlugen wir unser Lager in Ripoll auf und erkundeten die Umgebung. Am Ortsausgang des kleinen Städtchens stand ein Schild gefährliche Doppelkurven und darunter der hinweiß „auf 40 km“. Also rauf aufs Motorrad und ab in die Berge. Als in einem kleinen Dorf der Asphalt aufhörte waren da zwei verlockende Spuren, die unter den Skiliften steil hinauf führten. Erst als wir ganz Oben über allen Gipfeln standen, machten wir kehrt und fuhren zurück in die Stadt. Den Tag wollten wir bei gutem Wein und katalonischer Küche ausklingen lassen. Leider konnte der Ober mit unseren spanisch Sprachkünsten nicht viel anfangen und so bestellten wir nach dem Zufallsprinzip. Na ja - Ölsardinen sind bestimmt auch irgendwo eine Spezialität...
Weiter ging es in die große Stadt. Nach der Ruhe in den Bergen stürzten wir uns nun in das Getümmel von Barcelona. Für mich als „alten Städtehasser“ nicht sehr erquickend, aber Linda hatte organisatorische Dinge zu erledigen. So nutzte ich die Zeit für einen ausgiebigen Check der KTM.
MontserratDer Höhepunkt der ganzen Tour war mit Sicherheit die nun folgende Fahrt über den berühmten Montserrat - den Zersägten Berg. Wir fuhren wie durch eine Wildwest Kulisse hinauf zum 1236 m hoch gelegenen Kloster und genossen die Aussicht.
Nun mussten wir doch noch mal auf die Autobahn, denn die Zeit drängte allmählich. Linda musste sich noch um ein Zimmer kümmern und natürlich an die Uni. Quartier bezogen wir erst einmal auf einem Campingplatz in Benicassim, einem Badeort nördlich von Castello de la Plana. Zwei Tage half ich Linda noch bei der Wohnungssuche, das heißt ich gab mehr so seelischen Beistand, denn die Adressen aus dem Internet erwiesen sich als Nieten. Und dann war's für mich auch schon an der Zeit die Rückreise anzutreten. Im Morgengrauen bepackte ich die KTM und tuckerte vom Campingplatz. Ich war etwas angespannt aber auch neugierig: wie es wohl wird - die 2000 km alleine. Aber schon auf dem Weg zur Autobahn entspannte ich mich, die Sonne ging auf und in der Luft war wieder dieser Geruch von Abenteuer. Nun war ich allein unterwegs und fuhr und fuhr. Eine Tankfüllung reicht für 500 km und außer an den Mautstationen sah ich auch keinen Grund größere Pausen einzulegen. Alles lief Bestens bis zu eben so einer Mautstation, an der mir der nette junge Mann meine Visa-Karte zerbrach. Obwohl er nicht der Meinung war, das es seine Schuld war, sondern die meiner Karte, nahm er großzügigerweise 10 DM, wo doch nur France als Zahlungsmittel zugelassen waren. Na ja, halb so schlimm, erstens hatte ich noch 36 Mark in der Tasche und zweitens noch die EC-Karte, mit der ich allerdings nur am Geldautomat etwas anfangen konnte. An den nächsten Zahlstellen bedurfte es dann immer einiger Erklärungen: warum und wieso D-Mark, aber mein erklärtes Tagesziel Lyon war am späten Nachmittag erreicht.
Mein CampDas Wetter war schön und ich noch gar nicht müde also beschloss ich noch ein paar Kilometer zu fahren. Kurz vor Besancon steuerte ich auf einen Parkplatz und siehe da, der war gar nicht wie üblich eingezäunt. Kurz über die Schulter geschaut ob jemand kuckt, die Böschung runter und ab in den Wald. Auf einer kleinen Lichtung parkte ich die KTM und baute mein Nachtlager auf. Das Zelt blieb im Packsack. Ich spannte nur die alte NVA-Plane, legte Schlafsack und ISO-Matte darunter und bereitete das Abendessen vor. Bei Brot und Käse ließ ich den Tag reveu-passieren und stellte zu meiner Verwunderung fest, das ich heute beachtliche 1190 km gefahren bin. In der Morgendämmerung sattelte ich das Motorrad und machte mich wieder auf den Weg zur letzten Etappe. Bei meiner Widereinreise in Deutschland war der Grenzübergang noch in dicken Frühnebel gehüllt. Doch schon kurze Zeit später riss es auf und Baden-Würtenberg begrüßte mich mit Bilderbuch-Wetter. Das schöne Wetter blieb mir treu, so das ich trocken und gutgelaunt am Nachmittag wieder zuhause ankam. Das war sie also, meine erste richtige Motorradreise und nach 10 Tage, 4800 km und einer zerbrochene Visa-Karte hatte ich nur einen Gedanken im Kopf. WOHIN GEHT DIE NÄCHSTE TOUR.
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