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Tunesien-Algerien-Sardinien-Korsika

  • Reisende: Claudia Flügel und Michael Oechsner
  • Reisezeit: 11 Wochen, Januar - März 2003
  • Reiseroute: Deutschland, Schweiz, Italien, Tunesien, Algerien, Tunesien, Sizilien, Sardinien, Korsika, Italien, Schweiz, Deutschland
  • Fahrzeuge: Suzuki DR 650 RSE, KTM LC 4 Adventure
  • Gefahrene Strecke: 11.000 km
  • Höhepunkt der Tour: Ankunft auf dem 2700m Hohen Assekrem
  • Tiefpunkt der Tour: Start der Reise bei minus 15°C auf der Autobahn
BergdorfAm 09.01.2003 sind wir gestartet und zwar bei -15°C (MINUS!). Von Thüringen aus fuhren wir in einem Ritt in die Schweiz zu einer Freundin. Dick eingepackt sorgten wir bei diesen Temperaturen an Raststätten und Tankstellen mit unseren Motorrädern für Aufsehen. Nach einer heißen Badewanne stiegen wir am nächsten Tag in die Berge auf zu einer herrlichen Schneeschuhwanderung mit Heike. Auf der Fahrt über die Alpen wurde es ein letztes Mal kalt. Von Genua nahmen wir die Fähre nach Tunis. Das erste Mal mit den Motorrädern in Afrika! Tunesien begrüßte uns mit 15°C und Regen, aber Plusgrade! Schnell ging es für uns in den Süden auf der Suche nach Sonne. Mitten in der Meeroase in Gabes fanden wir den einzigen Campingplatz - zentrumsnah und umringt von genau vier (!!!) Minaretten, welche uns um 5:15 Uhr zum Morgengebet riefen. Weiter ging es über die ersten Bergpfade und Pisten nach Douz - dem Tor der Sahara. Ein paar deutsche Motorradfahrer nahmen uns die ersten Meter mit in den größten Sandkasten der Welt: Micha fand es einfach geil, geil, geil.....; Claudia hat sich schon mal eingegraben und Sand im Mund......!;-) Beinahe wäre uns noch das Zelt weggeschwommen, bei den heftigsten Regenfällen seit 4-6 Jahren (machten uns Hochwassererprobten natürlich gar nichts aus!). Über den Salzsee Schott el Djerid, der einem Meer glich, fuhren wir nach Touzeur. Hier gibt es übrigens 266000 Dattelpalmen an welchen angeblich die besten Datteln Tunesiens reifen! Dort verbrachten wir die Abende mit Arabisch lernen, Wasserpfeife rauchend am Lagerfeuer mit Algeriern und Tunesiern.
DünenDann fuhren wir nach Algerien, anfangs mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, bei den vielen Polizei- und Militärkontrollen. Aber diese unzähligen Kontrollen verliefen alle sehr korrekt und freundlich.Die selbstentworfenen Formulare mit unseren Personalien auf französisch und arabisch, erfreuten sich sehr großer Beliebtheit. Unsere Reise führte uns von der Grenze Taleb Larbi über Hassi Messaoud - das Erdölförderzentrum Algeriens. Zwischen In Amenas und Illizi übernachteten wir das erste Mal in orangefarbenen 200 m hohen Dünen - gigantisch. Auf dem Campingplatz in Illizi überraschte Claudia den Micha mit einer großen Schokogeburtstagstorte, die sie heimlich beim Bäcker bestellt hatte. Der Tuareg hat sich total gefreut, endlich mal eine Geburtstagstorte backen zu dürfen und machte sie gleich doppelt so groß. Weiter ging's nach Djanet, wo wir eine geführte 8h-Wanderung zu den 7000 Jahre alten Felsbildern unternahmen. Nach ein paar Tagen ging es auf der Piste (Länge 600km) nach Tamanrasset. Die GPS-Koordinaten eingespeichert, schnell noch an der Tankstelle auf Strom gewartet um unsere 108 Liter Sprit zu bekommen. Und los. Klingt einfach - war es aber nicht immer. Es waren viele Tiefsandstellen zu durchqueren und kilometerlang durch losen feinen Kies oder Wellblech zu fahren - so dass Claudia schon mal die Tränen in den Augen standen und Micha, die Schweißperlen auf der Stirn. Aber nach dreieinhalb Tagen waren wir in Tamanrasset. Hier war erst mal Pause.Wir bummelten über die Märkte und durch die Stadt. Ist schon wie in Schwarzafrika: da gibt es Schüsseln voll mit getrockneten Heuschrecken und dahinter sitzen dicke, in bunten Stoff gehüllte "Negermammas" die ständig auf was herumkauen.
HoggarpanoramaNach ein paar Tagen ging es dann hinauf zum Assekrem, einem 2700m hohen Berg im Hoggargebirge - dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Die 80 km Piste hinauf war sehr steinig, aber mit dem Motorrad gut zu fahren, so dass auch Claudia (die sich mittlerweile zu einer echten Endurofahrerin entwickelt hat) ihren Spaß daran hatte. Bis ihrer Suzuki kurz vor dem Ziel in der Höhenluft die Puste ausging und das zwischen Fußball großen Steinen und bei über 20 Prozent Steigung; mit schieben und drücken haben wir es dann doch geschafft. So konnten wir uns den gigantischen Sonnenuntergang vom Gipfel anschauen. Die Berghütte, welche von jungen Tuaregs betrieben wird, ist einfach nur eine Schau - und da sie unsere Probleme mit dem Fernglas beobachte hatten, waren wir dann vorm Kamin beim Tee schnell im Gespräch, vor allem die Frau mit den roten Haaren, die auch noch selbst Motorrad fährt; schnell wurde überlegt, wann die letzte Frau mit dem Motorrad hier oben war. Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen und den Sonnenaufgang ansehen - welchein Panorama. Und dann in die Minikapelle des Paters Eduards zur Morgenmesse, obwohl wir beide mit Kirche ja nicht sehr viel am Hut haben, war es sehr beeindruckend. Vor allem weil der Pater (80 Jahre), welcher uns dann noch zum Tee einlud, ein sehr interessanter Mann war und viel zu erzählen wusste. Noch nicht wieder am Zelt angekommen lud uns einer der Tuareg zu einer einfach nur atemberaubenden Wanderung in die Bergwelt des Hoggargebirges ein. Nach 2 Tagen ging es wieder nach Tamanrasset: Proviant, Sprit und Wasser auffüllen. Den Proviant übernahm Rotel-Tours - welch eine leckere Spende - endlich Wurst für Micha und Honig und Vollkornbrot für Claudia. Die eigentlich geplante Route über die Amguidpiste (700km) brachen wir nach einer Etappe und einer Nacht ab. Es hatten sich derartig dicke Wolken über, vor und hinter uns zusammengezogen, dass es wenig verlockend war mehrere hundert Kilometer in einem der größten Flussbetten der Sahara zurück zulegen.
Auffahrt zum AssekremWir fuhren nun die größtenteils befestigte Nationalstraße 1 (die klassischen Transsahararoute) nach Norden. Wir übernachteten noch ein paar Mal in traumhaften Dünen bis starker Wind auf kam, der uns trotz Zeltes alles mit Sand füllte - früh hatten wir eine ganze Tasse voll puderfeinen Sand im Zelt und sonst noch irgend wo ............. also fuhren wir die letzten 500km bis zur Grenze in einem Tag. Zu mal in den Dörfern vor der Grenze die Kinder einem unangenehmen Hobby nachgehen: sie bewerfen vorbeifahrende Ausländer mit Steinen - als Mutprobe. Als Motorradfahrer muss man da auf sie genau drauf zu fahren, damit sie nicht zum Zielen kommen. Diese „Kloppiekinder“, die, wenn man sie erwischt von ihren Eltern an Ort und Stelle ordentlich verprügelt werden, waren aber auch wirklich die Einzige unangenehme Begebenheit in GANZ Algerien. An der Tagessordnung war eine noch nie erlebte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft uns gegen über, wenn wir anhielten um Pause zu machen, stoppten Pkws wie Lkws und schenkten uns Wasser, Schokolade oder sogar Benzin. Beim Erzählen stellte sich dann nicht selten heraus, dass sie in der DDR - in Karl-Marx-Stadt oder Dresden gearbeitet hatten. Ein Erlebnis der besonderen Art hatten wir auf einem 300 Quadratkilometer großem Plateau: als wir mitten im Nirgendwo an einem Militär Posten stoppten und 15 Soldaten mit Maschinenpistolen in der Hand aus einer Hütte auf uns zu stürmten und uns ............. händeschüttelnd begrüßten. Schnell stellten sie sich zu mehreren "Poser-Bilder" mit ihren MG`s vor unsere Motorräder und knipsten mit ihren Fotoapparaten. Als wir fotografieren wollten, wurden die Uniformierten und die MG`s aus dem Bild geschoben. Auch hatten wir interessante Erlebnisse zum Thema Moslems: da gibt es (wie sollte es auch anders sein) nämlich solche und solche: als sich aus dem Rahmenheck Michas KTM 2 Schrauben verabschiedet hatten, mussten da 2 sechser Löcher gebohrt werden - eigentlich kein Akt mit einem scharfen Bohrer - in Algerien dauert es halt 2 Stunden. Als der junge Schlosser damit fertig war, zog er sofort die Sandalen aus, wusch sich die Füße und betete in einer eingerichteten Ecke im Hof ausgiebig gen Mekka. Einen Tage später waren wir mit 3 Motorradfahrern aus Torgau und einem Nordalgerier in einem Cafe in Tamanrasset - wir dachten gleich, das der Chef des Hauses eine Bierfahne hatte, als er uns dann später Bier anbot und der Kellner damit der Länge nach auf den Tisch krachte, wussten wir, dass nicht alle Moslems abstinent leben. Eigentlich haben wir noch viel mehr gesehen und erlebt - vor allem die unbeschreiblichen Landschaften, blühende Wüsten, bunte Märkte und und und.
Speicherburg uns KapelleIn Tunesien wurden wir schon sehnsüchtig auf dem Campingplatz erwartet, damit Joseph (vom Campingplatz in Touzeur) sein Versprechen einlösen konnte und lecker Couscous für uns kochen konnte. Ein Ausritt mal hoch zu Ross durch die Palmenhaine endete sehr abenteuerlich - kalt und nass in einem heftigen Gewitter - wusstet ihr schon, dass nasse Palmenwedel, wenn sie auf Stromleitungen kommen, wie Gold und Silberregen rieseln?! Der Ausritt war für Claudias Hintern anstrengender, als die bisher 8000 km - das hieß Fell auf die Sitzbank zum Weiterfahren auf mehreren hundert Kilometer über wunderschöne Pisten abseits der ausgeschilderten Straßen. Wir übernachteten in uralten Olivenhainen und zwischen blühenden Mandelbäumen, aus denen Claudia die letzten Mandeln pflückte und diese der Mischa am Feuer kandierte --- lecker!!!!! In Kzar Ghilane - eine Oase mit einer heißen Quelle in mitten von schönen Dünen ließen wir es uns richtig gut gehen - stundenlanges Baden in dem 30°C warmen Wasser und abends Einladung zum drei Gänge Menu bei "Andrea Meyer Motorradreisen". Über die von Hotelburgen und Souvenirverkäufern verschandelte Insel Djerba ging's dann nach Tunis, wo wir uns den Luxus einer Jugendherberge gönnten - mitten in der Medina (!!!!!) das heißt unzählige verwinkelte teils schulterbreite Gassen, in denen hunderte Händler und Handwerker ihren Laden haben (da war es eng mit Seitenkoffern). Die Motorräder standen im Treppenhaus der Jugendherberge - was für eine Aktion, zumal schon drei andere Motorräder im Flur standen.
Kurven auf KorsikaDann hieß es Abschied von Afrika und mit dem Frühling langsam zurück Richtung Deutschland. Die Fähre über Sizilien nach Sardinien war ein umgebauter Frachter - der schon bei wenigen Wellen furchtbar schaukelte - was viele, der in allen Gängen liegenden Passagiere animierte, sich etwas durch den Kopf gehen zu lassen....Wir haben sage und schreibe auf einem Kubikmeter (!) mehr oder weniger geschlafen - der einzige vernünftige Platz zwischen zwei Türen. Sardinien überraschte uns mit einem herrlichen Frühling - alles grünte und blühte. Nirgends Touristen und kein Campingplatz geöffnet - so störte sich keiner daran, dass wir pennten wo wir wollten - wie zum Beispiel neben Flamingos am Strand. Auf den Piste entlang der Küste waren viele lustige Wasserdurchfahrten, bei denen unsere Motorräder fast schwimmen lernten. Auf Korsika waren wir dann endgültig wieder in der Zivilisation: riesige Supermärkte und lecker essen ............. die Betreiber der Campingplätze ließen uns kostenlos auf ihren noch geschlossen Plätzen campen. In Porto beim spazieren gehen wurden wir von BMW-Frankreich zu einer sehr exklusiven Vorstellung (12 Vertreter der Fach-Presse) des neuen Z4 eingeladen - mit Eiswein und Austern, obwohl wir eigentlich nur von dem schönen Aussichtsturm schauen wollten. Und zum Schluss waren wir noch ein paar Tage herrlich wandern auf Korsika - wir hatten ja wunderbares Wetter! Zurück ging's wieder mit einem Zwischenstopp in der Schweiz und einen Stopp in Frankfurt. Dort waren wir zu Claudias Geburtstag im Botanischen Garten und am 27.03.03 sind wir gesund, aber ein paar Kilo leichter und voller neuer Eindrücke in Thüringen gelandet.
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